nix

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Wir glauben, Erfahrungen zu machen,
aber die Erfahrungen machen uns.
(Eugene Lonesco)

Mittwoch, 30. November 2011

latin local transport

Ende Dezember 2001: CUBA (mit CW)

…Die frohe Botschaft kam gerade zur rechten Zeit! Ein langer Weg lag bereits hinter uns: gestartet in San Francisco, gefroren und gestritten im Gran Canyon, den Highway #1 und die Baja California hinunter, um dann vom Pazifik durch ganz Mexico zum Atlantik durchzustarten. Die Rücken diverser Pick-Ups trugen uns, wir klemmten uns und unsere Rucksäcke in nimmermüde VW Käfer, genossen die Kurzweil in einem Opel Corsa Cabrio und lernten den Komfort von Mercedes-Benz und Land Rover kennen. Trampender Weise machten wir Bekanntschaft eines TV-Produzenten aus L.A. (Wir waren Hollywood so nah!) und etlicher reisend-rasender Trucker! Wir stürzten uns ins pralle Leben wie die Klippenspringer von Acapulco in die wogenden Wellen des Pazifiks.

Der Aufprall hätte nicht weniger hart sein können: so schön Natur und Kultur der Halbinsel Yucatan, so hässlich ihre modern verbaute Hauptstadt Cancún. Völlig fehl am Platze in diesem US-amerikanischen Tourismus-Paradies schien es nur eine Fluchtmöglichkeit zu geben: die Karibik vor uns und Kuba im Kopfe war der Sprung vom Kapitalismus in den Sozialismus allerdings nur mit ausreichend Grundkapital zu vollführen. Der beständig sinkende Kontostand kündete hingegen vom Abschied – obgleich doch der Weg noch bis Südamerika führen sollte.

Die frohe Botschaft kam per E-Mail! Im November 2001 entschied sich das „Bundesministerium der Bildung und Forschung“ dem Studenten Bernhard Vogt trotz fehlender Prüfungsbescheinigungen und Abwesenheit vom Studienorte auch im kommenden Semester das monatliche zinsfreie Darlehen (naemtnlich BAföG) auszuzahlen. Die generöse Leihgabe des deutschen Staates und der deutschen Steuerzahler sollte zunächst einem mexikanischen Familien-Unternehmen zur Freude gereichen. Es war nicht irgendein Mietwagen, mit dem wir die mexikanische Karibik-Küste südlich von Cancún unsicher machten, es war ein engelsweißer VW Käfer. Er lief und lief und lief - bis kurz vor der Grenze zu Belize, dem Ort unseres ersten Weihnachts“feste“ auf der Südhalbkugel. In Tulum, wo sich schon die Mayas einen ihrer Paläste direkt an die Karibik-Küste zimmerten, machten wir kehrt und der Boxer im Bug trieb uns zurück nach Cancún….

Rauch durchtrieb die Kabine und unsere Nüstern! Letztendlich saßen wir im Flieger nach Havanna und nun sollte uns ein technischer Defekt lahm legen? Die Stewardess der cubanischen Airline versicherte uns hingegen, dass alles „normal“ sei und man nur die „AirCondition“ ausprobieren würde. Nach wenigen Minuten lichtete sich der Rauch, wurde die AirCondition abgestellt (und auch nicht wieder in Betrieb genommen) und dann konnte es also wirklich losgehen. Wie schön Cancún doch von oben aussieht! Wie schnell man doch dann von Yucatan aus auf Cuba ist! Im Flugzeug gleicht dies einem Katzensprung; in der Realität (der Menschen) trennt Cuba von der westlichen Welt nicht nur ein kleiner Teil des karibischen Meeres, politische Welten gilt es zu überwinden.

Gelandet auf einem roten Planeten names CUBA, nisteten wir uns eine Woche lang in deren einst mondänen, heute maroden Hauptstadt ein. Eine Woche, in der wir den Rhythmus der Stadt annehmen konnten, die uns einen Blick hinter die Fassaden ermöglichte, die es uns ermäglichte, zu erfahren und zu verstehen.

Auch wenn die Faszination von Havanna noch lange nicht erschöpft war (bis heut nicht), war es irgendwann an der Zeit, die Stadt und ihren Malecón hinter sich zu lassen, um mehr Facetten dieses bunten Landes zu sehen, um andere gastfreundliche und warmherzige Menschen kennen zu lernen, um grüne Landschaften, ausgedehnte Zuckerrohrfelder und die berühmten Tabak-Pflanzungen zu bewundern. Auf ins Hinterland...- á lo cubano!

Mit immer kleiner und älter werdenen „Sammel-Taxis“ verlassen wir den Großraum Havanna; für die großen Strecken auf den relativ guten, weitestgehend leeren „Autobahnen“ gibt es hingegen nur eine Möglichkeit: einen der zentralen „Haltepunkte“ ausfindig machen und WARTEN. Hier werden – in staatlicher Regie – Lastkraftwagen zum Halten gebracht, um sie je nach Zielort und Ladung mit lebender Fracht anzureichern. Wir müssen nicht lange warten, bis auch wir auf eine Laderampe stehen, die sich langsam, aber beständig nach Osten bewegt.

Da steht es nun also herum in der karibischen Hitze, Wind und Wetter strotzend, das menschliche Volk, menschliches Vieh – vereint im Schicksal und im Ziel.

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Ende Juli 2008: PERU – Cordillera Blanca (mit CM)

Was hätten dies für wunderschöne Tage werden können:
- vor uns die Cordillera Blanca mit ihren gewaltigen, schneebedeckten Bergen (über 60 Berge höher als 5000m und immerhin noch 27 Berge höher als 6000m);
- neben mir Corina Machon – schön, geschwächt, unverständlich, einzig,….;
- vor uns jene 65km des
Llanganuco- bzw. Santa Cruz-Treks,
die wir in insgesamt 4 Tagen durchwandern wollten.

Schon die Anfangsschwierigkeiten hätten mir zu denken geben müssen:
- Ein „paro“ brachte den Verkehr in und um Huaraz, dem zentralen Punkt der Cordillera Blanca, zum Erliegen – just an dem Tag, an welchem die Wanderung beginnen sollte. Vogtschen Weisheiten („Paro? No hay paro!“) Vogtscher Willen (Man könnte es auch als Dickköpfigkeit bezeichnen!) und ein gut entlohnter Taxi-Fahrer brachten uns dann dennoch ans Ausgangsziel.
- Eine virale Darminfektion brachte die Dame an meiner Seite nicht nur zum (Er-)Liegen, sondern gar zum Erbrechen.
- Das für 2 Personen & Rucksäcke angedachte Gewicht ruhte (und drückte) auf meinen Schultern und machte mir den Aufstieg unnötig schwer.
- Schon am ersten, hohen Pass – dem La Unión mit 4750 – erwartete uns heftiger Schneefall & Nebel!

Das schlechte Wetter begleitete uns über unsere Tage hinweg, die Diskussio0nen ebenfalls;
doch irgendwie rauften wir uns zusammen. Glücklich, aber vor allem müde und dreckig kamen wir in Vaqueria an. Dort konnten wir einen Mini-Bus (Toyota sei Dank!) zurück in die Zivilisation, zurück nach Huaraz nehmen.
Doch vor der Zivilisation stand uns das letzte Abenteuer bevor:
bis zum Portachuelo-Pass schlängelt sich die Straße langsam und in weiten Kehren den Berg hinauf. Oben auf 4767 Metern Höhe erstreckt sich ein herrlicher Blick auf die umliegende Bergwelt und das vor einem liegende Tal der Lagunen Llanganuco. Die Zeit des Genusses war kurz, die Abfahrt dagegen unendlich lange! Abwärts ging es mit uns dann auch im wahrsten Sinne des Wortes! Unzählige Serpentinen, in deren Takt sich Fahrgäste und Ladung bewegten! Ich versuchte, es mir auf dem mir im „Fahrgastraum“ zur Verfügung gestellten Plastikeimer bequem zu machen und die Bewegungen des japanischen Geschosses auszutarieren. Ein angetrunkener Hochlandbewohner versuchte derweil die Schwankungen von Geist & Körper mit Hilfe meiner „Freundin“ zu kontrollieren. Über unseren Köpfen gellten in jeder Kurvenwendung schrille Schreie! Die auf dem Dach fest verzurrten Ziegen kommentierten jede Richtungsänderung mit verängstigten, bald panischen Hilferufen, bald mit der rhythmischen Entleerung von Darm & Blase. Kalte, klare Luft und das Wimmern der Hornträger bliesen uns durch die halb geöffneten Fenster entgegen; die warmen, weichen Verdauungsprodukte der Tiere („Angstschiss!“) tröpfelten durch das allzu durchlässige Dach zu uns herein. Sollte ich mich zukünftig nicht als Tier-Transport-Gegner engagieren!?

Aus der Karriere als Tierschützer wurde übrigens genauso wenig wie aus der Beziehung und den aufgenommen Fotos: auf dem Weg über Huaraz nach Trujillo an die Pazifikküste (Es ging also weiter bergab!) wurde uns des Nachts jene Kamera entwendet, welche all die optischen Erinnerungen jener Tage enthielt. Derart blieben nur die Bilder im Kopf und der hartnäckige Geruch von Ziegenurin!


http://blog.tapir-store.de/planet-erde-reiseberichte/239.trekking-in-der-cordillera-blanca.html 

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Ende Juni 2011: PERU – Auzangate (mit GPS)


5 Tage lang schlug ich mich durch die Bergwelt rund um den Auzangate, kämpfte mit Regen, Kälte und vor allen Dingen dem unerbittlichen Wind. 
Alles nur um einen Punkt zu erreichen:
14°S 71°W
Alles nur um bei anhaltendem Graupel mit dem einzigen Nahverkehrsmittel der Region über Stunden hinweg zurück in die Zivilisation zu reisen. Die Pritsche des Lastwagens war gut gefüllt mit Waren und Menschen, Schafen und Alpakas. Die unruhigen und spuckenden Kleinkamele machten dabei aber weniger Probleme als die sich stets mit ihren Hörnern verhakenden Schafen.
http://confluence.org/confluence.php?lat=-14&lon=-71


3 Kommentare:

  1. oh schoen, neue eintraege! Und so schoene geschichten! Vielen Dank, Herr Vogt. K xo

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  2. Doing my best!

    immer wieder schoene und schoen traurige Geschichten

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  3. Hey, wie steht's eigentlich mit dem Buchprojekt? Material gibt es, wie immer wieder schön zu sehen ist!
    Hast du eigentlich schon mal zur äthiopischen Küche geblogt? Aus aktuellem Anlass bin ich interessiert.
    Teide-Genehmigung haben wir übrigens nicht mehr bekommen, dafür kann ich den Barranco de Masca empfehlen!
    Hasta pronto

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