Die Simplizität der Wildnis habe ich gegen die Errungenschaften der Zivilisation eingetauscht:
dazu gehört sicherlich der entspannte morgendliche Stuhlgang im Sitzen, mit Lesestoff und ohne größere Moskito-Gefahr. Generell findet die Körperhygiene hier an einem speziell dafür vorgesehenen Platz statt, der sogar über die Möglichkeit der geregelten Wasserzufuhr verfügt; wohingegen es vorher in ständigem Fluss an einem vorbeifließt.
Auch endet der (Arbeits-) Tag hier nicht mit dem Versinken der Sonne hinter dem gegenüberliegenden Flussufer - der Elektrizität sei Dank! - die so schöne Dinge wie den Computer und den Kühlschrank mit Leben speist. Dem Kühlschrank entnehmen kann man wunderbar vielfältige Speisen, die man sich kalt oder warm (Es lebe die Mikro-Welle!) einverleiben kann, um seine abgeworfenen Pfunde wieder zu formen.
Ach, das Leben könnte so herrlich sein!
Wenn, ja wenn mich hier nicht auch die Schreckensmeldungen aus Europa erreichen würde:
glaubte ich einstmals noch, dass mich "armen Schlucker" das unverständliche Gebahren der Finanzwelt nicht weiter zu interessieren braucht, muss ich jetzt mit ansehen, wie tagtäglich mein mit wenigen Euros gefühltes Konto immer weniger Reales hergibt. Derart sah ich heut vom Kauf eines neuen Deodorantes ab (Wollte mit dem Axe-Effekt die Amazonen aus dem Wald locken!), weil dergleichen Produkte hier ungemein teuer sind (Selbst eine Flasche Cachaça ist billiger, so dass ich schon überlegt habe, den für die Wunden des Körpers gedachten Alkohol auch für die Tiefen meiner Achseln zu verwenden. - Lieber nach Alkoholiker riechen als nach Schweiß!?)
Wäre dies nicht schon genug, um mein Unverständnis über Brasilien und seine Einwohner zu erhöhen (Haben die etwa eine Deo-Steuer?), so musste ich denn dann auch noch im SPIEGEL nachlesen, dass ich mich mittlerweiel auf der "Achse des Bösens" und in einem ausgewiesenen Schurkenstaat befinde (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,693421,00.html). (Da gilt wohl das alte Sprichwort "Porta mal mas com juizo!"?) Aber vielleicht kann ich wenigstens mit dem Schmuggeln von angereichertem Uran mein leergeräumtes Konto wieder ein wenig füllen. (Hat jemand die Vorwahl vom Iran?)
Gefüllt hat in den letzten Tagen nur ein Thema die hiesigen Zeitungen und Presse-Mitteilungen:
Genau einen Monat vor WM-Beginn wurde das brasilianische Team offiziell bekannt gegeben. Auch ohne die bei uns bekannten Hack-Fressen Ronaldinho, Ronaldo und Adriano (aber mit Josue und Grafite von Wolfsburg und dem alten Abwehr-Recken LuZio) ist die Zuversicht hier ungebrochen und spiegelt sich u.a. in der Anzahl der aushängenden bzw. mitfahrenden Fahnen wieder, die aber noch lange nicht das Neuköllner Niveau von 2006 zu erreichen vermögen.
hmmm bernadinho, hat es ihm deo nicht meist eh alk? Porta bem...
AntwortenLöschenAlso, wenn sich jemand mit Alk auskennt, dann...!
AntwortenLöschenWie immer machen die Prozente/Promille den Unterschied!
Hab mich jetzt aber eh für den Duft der puren Männlichkeit entschieden!
Sei froh, dass ich weit weg bin!