Die entspanntesten Momente hatte ich auf und im Wasser: etwa 2 Stunden sind wir von Boca do Acre den Rio Purus heruntergefahren – im Schatten rastend, Landschaftseindrücke aufsaugend, den kühlenden Fahrtwind spürend, die Gedanken und die Seele baumeln lassend,... und dies alles Insekten-frei. Man könnte ewig so reisen, wenn einem nicht irgendwann der Hintern absterben würde. (Der Traum einer Reise von Manaus nach Iquitos bleibt dennoch auch weiterhin bestehen!) Die erste Nacht verbrachten wir in Santo Elias in der „Estufa“, einem Trocknungshaus für Kakaobohnen. Ganz so trocken wurde die Nacht dann allerdings nicht: bei einsetzendem Starkregen des Mitternachts und einem mit Löchern übersäten Plastikdach, bedurfte es mehrerer Umzüge, um immer wieder ein trockenes Plätzchen für sich, die Hängematte und das dazugehörige Moskitonetz zu finden. Die finale Entscheidung zum Ortswechsel wurde einem durch ein Heer an Moskitos und Sandfliegen mehr als schwer gemacht.Ziemlich gerädert stand am nächsten Tag die Weiterfahrt nach Santo Antonio an. Das bei einsetzender Dunkelheit abgeladene Boot musste also wieder beladen werden (Es grüßt Herr Sisyphus!). Die ganze Aktion gestaltete sich insofern schwierig, weil das fallende Wasser des Purus nicht nur allmählich schöne „Praias“, sondern auch ziemlich viele, ziemlich tiefe Schlammsuhlen (lama) freilegt. Um vom Boot zum Ufer zu gelangen musste man nun also mehrfach über bereitgelegte Baumstämme balancieren. Was x-mal gelang, wurde einmal zum Verhängnis! Und es traf natürlich den vorher weißen, nachher braunen „Gringo“! Das Gelächter der versammelten Ribereinhos war mir sicher! Gut, dass man mir die Colorierung der Scham und der Wut nicht ansehen konnte. (Gut auch, dass ich mich alsbald an ein Missgeschick eines guten und alten Freundes erinnerte, der bei seinem ersten Besuch in Südamerika nicht nur drei Tage auf sein Gepäck warten musste, sondern auch direkt in den ersten Stunden den heimischen Swimming-Pool in vollster Montur testen musste („I fall in with my bux!“).)
Den braunen Schlamm im braunen Wasser abgewaschen und die Kleidung durch den Fahrtwind und die niederprasselnde Sonne getrocknet erreichten wir schließlich Santo Antonio, wo wir die restlichen Nächte in der dortigen, unbenutzten Schule verbrachten.Was sich nach einem großen Ort anhört, ist in Wahrheit eine Ansammlung von 5 Häusern an der Uferlinie des Purus, mit ebenso vielen Familien und unzählig vielen Kindern. Das Haus von Deuclides diente uns denn dann auch in den nächsten Tagen als gesellschaftliche Basis und Ort der gemeinsamen Essen (viel Fisch; aber vor allem Reis mit Bohnen (feijoada). Nach dem Abendessen wurde der Dorf-Generator angeschmissen, um damit den heimischen Fernseher zu „befeuern“, der bei den allabendlichen „Telenovelas“ jung und alt zusammen zu bringen wusste.
Derart mehr belustigt als vergnügt ging es dann alsbald in die Hängematte, wo schon das nächste Problem auf mich wartete. Meine beiden „companheiros“ schnarchten des Nachts mindestens so viel wie sie am Tage übers Essen und Frauen redeten. Was schon vor ca. genau einem Jahr auf der „Ruta de la Plata“ half, erwies sich auch hier als erprobtes Mittel: zuerst ein lauter MP3-Player, danach Ohrenstopfen.
Ach ja, gearbeitet hab ich übrigens auch ein wenig! Aber auch da warteten unerwartete Probleme auf mich: obwohl mir das irgendwie aus Namibia bekannt vorkam, war ich dennoch erstaunt, dass sich die gespeicherte Energie einer Batterie in „Luft auflösen“ kann (Gilt denn hier nicht der „Energie-Erhaltungs-Satz“!?). Gerne hätte ich hier schon die ersten Schnapp-Schüsse (oder gar eine Erfolgsgeschichte wie diese: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,689670,00.html) präsentiert. Nur zeigten mir die nun seit 4 Wochen herumgeschleppten Foto-Fallen bei ihrem ersten Einsatz deutlich, dass sie diese Woche noch nicht bereit für einen Einsatz im Feld sind: „low battery“. Die Ersatz-Batterien hatte ich natürlich für eine Woche nicht mitgenommen und ein Supermarkt war gerade auch nicht zur Verfügung! 

Da hieß es „Hefte raus!“ und auf altvertraute „Wald und Wiesen“-Tricks zurückgreifen: zweimal täglich in der Hauptaktivitätszeit der Tiere (6:30-8:30 und 16:30-18:30) möglichst viele Arten bestimmen und u.U. beim Kakao-Konsum beobachten. (Vergiss es! Bzw. Versuch mal eine grüne Amazone im Gegenlicht im grünen Blätterdach zu bestimmen!); Kakao-Früchte auszählen, in der Hoffnung, eine etwaige Abnahme über die Tage feststellen zu können etc. In diesen ersten Tagen habe ich viel dazu gelernt und jeden Tag etwas Neues:
dachte ich z.B. zu Anfang noch, dass ich schon die Öffnungsstrategien von Vögeln (papagayos) und Affen (macacacos) auseinanderhalten kann, musste ich bald ernüchtert feststellen, dass die Verwandtschaft zwischen Neuwelt-Affen und Menschen so groß ist, dass beide den Kakao auf ähnliche Weise öffnen. (Die einen benutzen dazu ihr Gebiss, die anderen unbeholfener Weise eine Majete (facão). Auch das Auszählen der Früchte hatte nach ein paar Tagen keinen rechten Sinn mehr, insofern, dass ich die Söhne des Parzellen-Besitzers bei der Ernte an „meinen“ markierten Bäumen „erwischte“.Für die nächste Woche wird nun deshalb das Versuchsdesign und die Arbeitsfläche gewechselt, sind die Foto-Fallen mit neuen Batterien ausgerüstet und die Vorräte aufgefüllt. Ob es das bringt, wird sich zeigen!Gerne dürften sich auch insgesamt einmal ein paar mehr Tiere zeigen:die Sichtung eines Affens (Cebus), einer Schlange und das Liebesspiel von Psarocolius decumanus maculosus reißen mich noch nicht wirklich vom Hocker. Vom Hocker aus hätte ich hingegen gerne das unten abgebildete „Rätseltier der Woche“ (Wer weiß, um welches Tier es sich handelt!?) probiert, das Sonntag Nacht erlegt wurde und am nächsten Abend wohl gänzlich verspeist wurde. Da waren wir aber schon nicht mehr in Santo Antonio, weil Tersio sich das Essen der Vortage noch einmal durch den Kopf gehen lassen musste und sich nicht nur deshalb einen sehr unrühmlichen Abgang bereitete.
dachte ich z.B. zu Anfang noch, dass ich schon die Öffnungsstrategien von Vögeln (papagayos) und Affen (macacacos) auseinanderhalten kann, musste ich bald ernüchtert feststellen, dass die Verwandtschaft zwischen Neuwelt-Affen und Menschen so groß ist, dass beide den Kakao auf ähnliche Weise öffnen. (Die einen benutzen dazu ihr Gebiss, die anderen unbeholfener Weise eine Majete (facão). Auch das Auszählen der Früchte hatte nach ein paar Tagen keinen rechten Sinn mehr, insofern, dass ich die Söhne des Parzellen-Besitzers bei der Ernte an „meinen“ markierten Bäumen „erwischte“.Für die nächste Woche wird nun deshalb das Versuchsdesign und die Arbeitsfläche gewechselt, sind die Foto-Fallen mit neuen Batterien ausgerüstet und die Vorräte aufgefüllt. Ob es das bringt, wird sich zeigen!Gerne dürften sich auch insgesamt einmal ein paar mehr Tiere zeigen:die Sichtung eines Affens (Cebus), einer Schlange und das Liebesspiel von Psarocolius decumanus maculosus reißen mich noch nicht wirklich vom Hocker. Vom Hocker aus hätte ich hingegen gerne das unten abgebildete „Rätseltier der Woche“ (Wer weiß, um welches Tier es sich handelt!?) probiert, das Sonntag Nacht erlegt wurde und am nächsten Abend wohl gänzlich verspeist wurde. Da waren wir aber schon nicht mehr in Santo Antonio, weil Tersio sich das Essen der Vortage noch einmal durch den Kopf gehen lassen musste und sich nicht nur deshalb einen sehr unrühmlichen Abgang bereitete.
Diese Woche gibt es 3 Anmerkungen rund um das körperliche Wohlbefinden:
1. in einem Land, wo es ganz normal und schicklich ist, dass Männer zur Pedicure gehen, stehe ich mit meinen verwachsenen Gehhilfen eh auf verlorenem Boden. Umso schlimmer noch dieser Tage, als sich mein Körper und u.a. besonders meine Füße als roter Streuselkuchen präsentieren (Der Bäcker sind Sandfliegen und Moskitos!).
2. Für jemanden der noch nie in seinem Leben Zahnseide ernsthaft genutzt hat (und denkt, dass er ein wenig was von der Welt kennt), ist es befremdlich zu sehen, wie, wann und wo er hier auf gebrauchsfertige Zahnseide trifft.
3. Der Brasilianer isst gut und gerne (auch zwei- bis dreimal am Tage warm)! Dabei sind die Mahlzeiten durchaus abwechslungsreich und gesund. Aber natürlich kommt auch der hohe Rinder-Bestand nicht nur vom Export! Um das florierende Geschäft der Fleisches-Lust am Laufen zu halten, gibt es hier mindestens einen nationalen Fernseh-Sender, der 24h täglich und 7 Tage die Woche Rinderversteigerungen betreibt (leloboi). Da kann man dann direkt anrufen und sich seine Lieblingsherde zusammenkaufen. Bis jetzt war die passende Kuh noch nicht dabei, aber…
3 Bilder mit 70 Kameras in 10 Jahren - das nenn ich ja keine gute ERfolgsquote... Hoffe du bist erfolgreicher! Klar, habe keinen Zweifel, pass nur auf, dass die Spanferkel, die ihr nicht gegessen habt, nicht versehentlich die Kameras umrennen.
AntwortenLöschenso bin nun auch offizieller leser deiner bernardo news... ;-)) (dies ist noch kein wirklicher kommentar)
AntwortenLöschenlieber bernardo, es ist erstaunlich, dir ins tiefste brasilien zu folgen und wieder einmal mehr eins auf den klischee-denk-deckel zu bekommen, wenn man als naiver mitteleuropäer erfährt, dass es auch dort im grünsten waldland internet und fernseher gibt.
AntwortenLöschenich find es sehr spannend, dich bei der arbeit zu sehen. warum hast du denn die duschhaube auf? wegen möglicher kotabwürfe von oben?
und mach dir nichts aus deinen sehr individuell geformten zehen, einen schönen mann kann doch nichts ...
gut nun, viele scharfe fotos von bohnendieben und trockene nächte wünsch ich dir.
m.
1.
AntwortenLöschenfreue ich mich natuerlich ueber die 2 "neuen" Leser meines Blogs! (Doch den ersten Kommentar von Jan-Hendrik lass ich nun wirklich nicht gelten!)
2.
bin ich etwas enttaeuscht ueber die Resonanz zu meinem „Rätseltier der Woche“.
Der Michi war denn dann auch mit seinen Spanferkeln so nah dran wie es Hamster an Klippschliefern sind!
3.
Naja, nah dran war ich mit meinen Foto-Fallen bisher noch nicht! Einmal stand die Kamera zwar am richtigen baum, aber an der falschen Frucht! Tja, und einmal hab ich ein paar Fotos von einem Tier gemacht, das sich nun so ueberhaupt nicht fuer den Kakao interessiert hat. Aber davon mehr "nach der naechsten Maus" bzw. beim naechsten Post-Eintrag!
4.
Die "Duschhaube" ist eigentlich der Regenschutz meines Rucksackes und dient mir zur Moskitoabwehr!
...wat is´n hier????versprechen muss "mann" halten,herzchen!!!!;)
AntwortenLöschenKerstin, Versprechen ist gehalten - wenn auch mit etwas Verspaetung!
AntwortenLöschenUnd Deines, Schatz!?
... vielleicht ist es das scheue Pomaden-Borstenschwein?
AntwortenLöschenScheu ist schon mal gut!
AntwortenLöschenDie Pomade kommt allerdings vom heißen Wasser, um ihn gehörig das Fell über die Ohren zu ziehen!
Doch sehen so Schweine-Füße aus?
Wohl noch nie in Kriegszeiten "Schweins-Fuß-Suppe" gegessen?
Paca?
AntwortenLöschenoder Pecari?
AntwortenLöschenCapivara?
AntwortenLöschenAuch Du, liebste Konnie, musstest wohl nie Schweins-Fuß-Suppe auslöffeln, sonst stände das Pecari wohl nicht in Deiner Liste!?
AntwortenLöschenIch frage mich eh, ob Du einfach nur mal alle Dir bekannten und in Frage kommenden neotropischen Säuger in die Liste aufgenommen hast!?
ABER:
zumindest bei den Nagetieren sind wir schon mal richtig!!!
Phoberomys pattersoni? :-)
AntwortenLöschenJetzt wird es mir zu wissenschaftlich bzw. nimmt das hier langsam Ausmaße an,...
AntwortenLöschen"Ich möchte lösen!"
Aber selbst das "ERNSTL" würde hier versagen, denn es ist das PACA (Agouti paca):
http://www.1-costaricalink.com/costa_rica_fauna/wildlife_images/paca.jpg
hmm aguti, kenne ich. hat aber ganz anderst ausgesehen..
AntwortenLöschenkennst du: mira mira, es muy facil :-)
Da ist aber jemand spitzfindig bzw. ein Feinschmecker!?
AntwortenLöschenBeim Paca (Agouti paca) handelt es sich um einen nahen Verwandten des Agouti (Dasyprocta spp.)! Aussehen und Geschmack sind unterschiedlich! Naja, und mit der Namensgebung in Wissenschaft, Südamerika und vor allem Deutschland ist das eh so eine Sache.
P.S.:
Bald gibt es auch wieder:
"Mira, mira, mira, un Tucan!"